Agios Nikolaos besucht man nicht, man atmet es. Eine Stadt, in der ein bodenloser See ins Meer mündet, in der sich das Aroma griechischen Kaffees mit der salzigen Luft mischt und in der der Luxus des Hafens auf die Seele der höher gelegenen Gassen trifft.
Alles beginnt am Ufer des Voulismeni-Sees, diesem beinahe perfekt runden Wasserspiegel, umgeben von Felsen und Tavernen. Die Legende erzählt, Athene und Artemis hätten hier gebadet und der See sei bodenlos. Die Wahrheit ist prosaischer – 64 Meter –, doch das spielt keine Rolle: An einem Tisch direkt über dem Wasser, einen eisgekühlten Frappé vor sich, versteht man, warum die Einheimischen ihn zum schlagenden Herzen der Stadt gemacht haben. Der Duft frisch aufgebrühten griechischen Kaffees steigt aus den Kafenions, dicht und süß, während die Boote einen Meter vor Ihren Füßen schaukeln.
Ein schmaler Kanal verbindet den See mit dem Meer, und hier zeigt die Stadt ihr Doppelgesicht. Auf der einen Seite der Yachthafen: makellose Yachten, schicke Terrassen, Designerschaufenster, der selbstbewusste Glanz eines Orts, der zu empfangen versteht. Am Abend erstrahlen die Fassaden, und die Uferpromenade verwandelt sich in einen eleganten Boulevard, auf dem man sieht und gesehen wird.
Doch kehren Sie dem Hafen den Rücken, steigen Sie zwei Gassen in die Oberstadt hinauf, und das Bild kippt. Die Luxusboutiquen weichen bougainvilleaüberwucherten Treppen, Wäsche, die zwischen zwei blauen Fensterläden trocknet, Katzen, die auf den warmen Steinstufen schlafen. Eine Großmutter pult vor ihrer Tür Bohnen. Das Rauschen der Hafenwellen ist nur noch ein Murmeln, ersetzt vom Klingen eines Löffels in einer Tasse und dem Brutzeln einer Grillplatte irgendwo. Das ist das andere Agios – jenes, das die Kreuzfahrtgäste nie zu sehen bekommen.
Dann kommt das Meer. Folgt man der Küste nach Norden, erreicht man den Strand von Voulisma – Golden Beach –, eine Sichel aus blondem Sand über einem Wasser, das binnen weniger Meter vom Türkis ins tiefe Blau übergeht. Es ist das eingelöste Versprechen des Videos: der Gang entlang der Küste, der knirschende Sand und jener erste Blick über die Bucht, der den Abstecher allein schon rechtfertigt.
Was Sie wissen sollten
- Der Voulismeni-See, ein in Kreta einzigartiger Schauplatz, Tag und Nacht belebt
- Alles zu Fuß erreichbar, ideal für Familien
- Echter Kontrast zwischen schickem Hafen und authentischen Gassen
- Perfekter Ausgangspunkt für Spinalonga, Elounda und den Osten der Insel
- Sehr belebtes Zentrum im August
- Schwierige Parkplatzsuche in der Hochsaison
- Bescheidene Stadtstrände (die schönen liegen einige km entfernt)
- Höhere Preise an der Uferpromenade als anderswo
Praktischer Tipp
Lassen Sie sich am späten Nachmittag am Voulismeni-See nieder, wenn das Licht die Felsen vergoldet und die Terrassen zum Leben erwachen. Für das Video-Erlebnis lassen Sie den Ton an: das Plätschern des Kanals und die griechischen Gespräche sind mehr wert als jeder Kommentar. Den Strand von Voulisma erreichen Sie zu Fuß oder in 10 Autominuten nach Norden.
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