Knossos zeigt einen Palast. Gournia zeigt, wie man wirklich lebte.
19 km östlich von Agios Nikolaos, an der Straße nach Ierapetra, überragt ein niedriger Hügel das Meer bei Pachia Ammos. Hier breitet sich Gournia aus — kein Königspalast, sondern eine echte minoische Stadt, mit ihren Häuserblöcken, ihren gepflasterten Treppengassen, ihrem öffentlichen Hof und, ganz oben, dem Sitz eines Statthalters. Man nennt sie das „minoische Pompeji“, so gut lesbar ist ihr Grundriss.
Ihr Name kommt von den „gournes“, jenen steinernen Trögen, die überall in den Häusern gefunden wurden. Die Stadt blühte in der Neupalastzeit (etwa 1550-1450 v. Chr.) und lebte vom Handwerk: Töpfer, Schmiede, Steingefäßschnitzer, Weber. Dann raffte sie ein Brand dahin, und der Sand bewahrte sie unversehrt.
Gournia verdankt seine Wiederauferstehung einer Pionierin: der Amerikanerin Harriet Boyd Hawes, die es ab 1901 ausgrub — die erste Frau, die in Griechenland eine große archäologische Grabung leitete, an der Spitze von rund hundert Arbeitern. In drei Kampagnen legte sie eine fast vollständige Stadt frei.
Steigen Sie in die Gassen hinab: Das sind die Straßen einer Stadt, nicht die Korridore eines Palastes.