Der alte Hafen im Video
Ein Gang entlang der venezianischen Kaimauer von Chania: die Kurve des Beckens, die übereinandergeschichteten osmanischen und venezianischen Fassaden, die Mole hinaus zum ägyptischen Leuchtturm und der Lichtwechsel am späten Nachmittag — der Moment, in dem der Hafen aufhört, eine Postkarte zu sein, und wieder eine Stadt wird.
Ein Hafen, den die Venezianer verfehlten — und genau das hat ihn gerettet
Chania wird im 13. Jahrhundert venezianisch, und die Republik hebt ihren Hafen im 14. aus. Der Plan ist ehrgeizig: ein geschütztes Becken, eine Mole, Arsenale zum Bau und zur Reparatur von Galeeren, nachts eine Kette quer über die Einfahrt. Auf dem Papier der Flottenstützpunkt Westkretas.
Tatsächlich funktioniert das Becken nie gut. Es ist zu flach für große Schiffe, nach Norden offen — also den Böen ausgesetzt, die den Seegang direkt hineindrücken — und es versandet fortwährend. Die Venezianer baggern, die Osmanen baggern nach ihnen, und das Problem verschwindet nie.
Dieses Scheitern hat alles bewahrt. Als der moderne Handelsverkehr zu schwer wurde, hat er den alten Hafen nicht umgebaut: Er ging anderswohin, in die tiefe Reede von Souda, zehn Kilometer östlich. Das venezianische Becken wurde daher nie verbreitert, zugeschüttet oder betoniert. Was man heute ansieht, ist keine Rekonstruktion — es ist der Hafen, wie sein eigenes Scheitern ihn hinterlassen hat.
Der Leuchtturm: venezianisch im Fundament, ägyptisch in der Silhouette
Am Ende der Mole steht Chanias Postkarte. Ihr Sockel ist venezianisch: Die Republik hatte dort ein Feuer eingerichtet, um die Einfahrt des Beckens zu markieren. Der Turm aber, den alle fotografieren, stammt aus den 1830er Jahren, als Kreta für ein Jahrzehnt unter ägyptische Verwaltung fiel.
Daher der Beiname ägyptischer Leuchtturm — und daher vor allem seine Form: Der Turm ist gestuft, sich verjüngend, und seine Silhouette erinnert bewusst an ein Minarett. Er ist einer der wenigen Leuchttürme der Welt, deren Architektur eine Besatzung erzählt statt einer Funktion, und der Grund, warum er keinem anderen griechischen Leuchtturm gleicht.
Man erreicht ihn zu Fuß über die Mole. Der Weg ist eben und schattenlos, und es lohnt sich, ihn so zu legen, dass der Rückweg auf das Tagesende fällt: Die Sonne sinkt dann hinter die Stadt, und man blickt auf die Stadt, nicht auf den Leuchtturm.
Die Arsenale: die Galeerenhallen, noch immer da
An der Ostseite des Beckens reihen sich große, zum Wasser offene Steingewölbe. Das sind die Neoria, die venezianischen Arsenale: Hier wurden Galeeren geschützt gebaut und gekielholt, direkt aus dem Wasser heraufgezogen. Ihre Proportionen wirken auf ein modernes Auge seltsam — sehr hoch, sehr tief, sehr schmal — weil es die Proportionen eines Rumpfes sind, nicht die eines Gebäudes.
Mehrere sind erhalten, darunter das Große Arsenal, restauriert und heute ein Ort für Ausstellungen und Begegnungen rund um mediterrane Architektur. Es ist einer der wenigen Punkte des Hafens, an denen man ein venezianisches Gebäude betreten kann, statt es von außen zu betrachten.
Die Moschee am Kai: das älteste osmanische Gebäude Kretas
Die weiße Kuppel am Wasserrand, in der Ecke des Beckens, ist die Küçük-Hasan-Moschee — die Yali Tzamisi, die « Moschee am Ufer ». Sie entstand kurz nach der osmanischen Einnahme Chanias 1645 und ist damit das älteste osmanische Bauwerk der Insel.
Ihre Architektur ist gedrungen und heute ohne Minarett: Die Kuppel ruht auf Bögen, umgeben von kleineren Nebenkuppeln, das Minarett ist verschwunden. Sie ist kein Gotteshaus mehr, sondern dient als Ausstellungsraum — man kann sie also frei betreten, wenn gerade eine Ausstellung läuft.
Ihre Lage ist kein Zufall. Die Osmanen setzten sie genau dorthin, wohin der Blick fällt, wenn man auf den Kai tritt — an die sichtbarste Stelle des Hafens. Das war eine Aussage, und sie wirkt bis heute: Es ist das Gebäude, das alle zuerst fotografieren.
Firkas: die Festung, das Museum und die Flagge von 1913
An der Westeinfahrt des Beckens, dem Leuchtturm gegenüber, bewacht die Firkas-Bastion die Durchfahrt. Von hier lief die Kette quer über die Einfahrt, und hier lag die venezianische Garnison.
Firkas zählt aber vor allem wegen eines Datums. Am 1. Dezember 1913 wurde dort die griechische Flagge gehisst, um die Vereinigung Kretas mit Griechenland zu besiegeln, im Beisein von König Konstantin und von Eleftherios Venizelos — selbst aus Chania. Für Besucher ist es eine Esplanade mit Aussicht; für Kreter der Ort, an dem die Insel aufhörte, eine Frage zu sein.
Die Festung beherbergt heute das Schifffahrtsmuseum Kretas, das die Marinegeschichte der Insel von der Antike bis zur Luftlandeschlacht um Kreta erzählt.
Die Atmosphäre: drei verschiedene Häfen an einem Tag
Am Morgen, vor zehn, gehört der Kai denen, die dort arbeiten. Die Terrassen stehen noch nicht, das Licht kommt von Osten und trifft die Fassaden frontal, und man hört das Wasser. Es ist die einzige Stunde, in der der Hafen wie ein Hafen aussieht.
Der Nachmittag ist die schwerste Strecke: Der Kai liegt in der vollen Sonne, ohne Schatten, die Menge ist am dichtesten und die Schlepper der Tavernen stehen auf Posten. Wenn das Ihr einziges Zeitfenster ist, gehen Sie lieber durch die Gassen hinter dem Kai — sie liegen im Schatten und sind schöner.
Der Abend ist das, wofür man kommt. Die Sonne geht hinter der Stadt unter, die ockerfarbenen Fassaden werden rosa, die Lichter gehen eines nach dem anderen entlang der Kurve an und verdoppeln sich im Wasser. Die Mole wird zum besten Platz des Hafens, weil sie der einzige Ort ist, von dem aus man die ganze Kurve auf einmal sieht.
Die Falle, offen gesagt
Die Tavernen der ersten Reihe, die direkt zum Kai öffnen, zahlen die höchste Miete Chanias und geben sie weiter. Speisekarten in acht Sprachen, laminierte Fotos, jemand vor der Tür, der Sie auf Englisch anspricht: Das sind die drei Zeichen, und alle drei sieht man vom gegenüberliegenden Gehsteig aus.
Das ist kein Grund, den Hafen zu meiden — es ist ein Grund, dort etwas zu trinken und hundert Meter dahinter zu essen. Wir haben diesen Fallen und den drei Vierteln, in denen wirklich gegessen wird, eine eigene Seite gewidmet.
Hinkommen und parken
Der alte Hafen ist für den Verkehr gesperrt: Man kommt zu Fuß durch die Altstadt. Vom KTEL-Busbahnhof rechnen Sie mit gut zehn Minuten nach Norden. Vom Flughafen setzt Sie die KTEL-Linie im Zentrum ab, und vom Hafen Souda stellt ein Stadtbus die Verbindung her.
Mit dem Auto ist es der Schwachpunkt: Am Beckenrand gibt es keine Parkplätze. Die gebührenpflichtigen Parkplätze liegen rund um die Altstadt, und in der Hochsaison muss man eine Viertelstunde Fußweg von der gefundenen Lücke akzeptieren. Am späten Nachmittag anzukommen verschlimmert es; vor neun Uhr anzukommen löst es.
Häufig gestellte Fragen
Warum spricht man von einem « venezianischen » Hafen?
Weil Becken, Mole und Arsenale im 14. Jahrhundert von der Republik Venedig ausgehoben und gebaut wurden, als Kreta venezianisch war. Die Osmanen fügten ab 1645 ihre Bauten darüber hinzu, ohne den Hafen selbst neu anzulegen.
Ist der Leuchtturm von Chania venezianisch oder ägyptisch?
Beides, zu verschiedenen Zeiten. Die Venezianer richteten am Ende der Mole ein Feuer ein; der heutige Turm wurde in den 1830er Jahren unter ägyptischer Verwaltung Kretas neu errichtet — daher seine minarettartige Silhouette, einzigartig unter griechischen Leuchttürmen.
Kann man bis zum Leuchtturm laufen?
Ja, zu Fuß über die Mole. Der Weg ist eben und schattenlos. Am besten am späten Nachmittag: Auf dem Rückweg hat man die ganze Stadt vor sich, genau wenn die Lichter angehen.
Kann man die Hafenmoschee betreten?
Sie ist kein Gotteshaus mehr und dient als Ausstellungsraum — der Zugang hängt also vom Programm ab. Läuft eine Ausstellung, kann man frei hineingehen.
Wo parkt man in der Nähe des alten Hafens?
Nirgends am Beckenrand: Der Hafen ist Fußgängerzone. Die gebührenpflichtigen Parkplätze liegen rund um die Altstadt, und in der Hochsaison sollte man eine Viertelstunde Fußweg einplanen. Vor neun Uhr morgens stellt sich das Problem nicht.
Sollte man am Kai essen?
Die Tavernen der ersten Reihe zahlen die höchste Miete der Stadt und geben sie an die Rechnung weiter. Der gute Kompromiss: ein Getränk am Kai, das Abendessen hundert Meter dahinter, in den Gassen.
Worauf diese Seite beruht
Daten und Zuordnungen dieser Seite folgen der etablierten Historiographie des Hafens: die venezianischen Arbeiten des 14. Jahrhunderts, die osmanische Einnahme von 1645, der Wiederaufbau des Leuchtturms unter der ägyptischen Verwaltung der 1830er Jahre und die am 1. Dezember 1913 in Firkas gehisste Flagge. Die Festung Firkas beherbergt das Schifffahrtsmuseum Kretas, die maßgebliche Instanz für die Marinegeschichte der Insel. Wir veröffentlichen hier weder die Höhe des Leuchtturms noch die Zahl der Arsenale noch die Länge der Mole: Die gängigen Quellen widersprechen einander bei diesen drei Zahlen, und wir geben lieber keine an als eine falsche.
Aktualisiert am 19. September 2026